Wir hatten China seit mehreren Jahren nicht besucht und konnten uns daher bei unserem Besuch in Fujian im Juli 2023 sehr leicht ein Bild von den Veränderungen machen.

Ein Zug im feinen Bahnhof in Nanjing, aufgenommen 2011

Die Infrastruktur ist schwer zu übertreffen

Schon vor mehr als zehn Jahren war uns aufgefallen, dass die normalerweise riesigen Bahnhöfe sehr sauber und durchorganisiert sind. Und es ist kaum zu glauben, dass unsere Züge in China bisher immer pünktlich waren, bei Abfahrt und Ankunft.

Auch die U-Bahn ist pieksauber. Aufgenommen in 2014

In Japan und der Schweiz ist das auch möglich. Für einen Deutschen ist ein pünktlicher Zug so unwahrscheinlich, wie der planmäßige Abschluss von Bauprojekten.
In China ist das kein Wunder, sondern Realität.

Die Standard-Reisegeschwindigkeit ist 300km/h – fast überall! Aufgenommen in 2014.

Wir hatten größere Entfernungen mit dem Auto zurückzulegen. Daher konnten wir uns das Straßennetz genauer anschauen. Das Urteil: Weltklasse! Auf unserer Strecke gab es keine bemerkenswert schlechte Straße und die perfekte Autobahn war in der Regel dreispurig. Nun muss man zugeben, dass im Süden Chinas das Risiko von Frost praktisch null ist. Die Straßen müssen also keinen Frost überstehen.

Das Straßennetz ist hochmodern und praktisch angelegt.

Die Ausschilderung ist jetzt fast durchgehend zweisprachig. Man kommt also mit dem Englischen zurecht.

Es geht schnell in Richtung E

Neulich hatte ich gelesen, dass es in China Friedhöfe von e-Autos geben soll. Diese Gerüchte gibt es auch über Frankreich und andere Länder. Natürlich habe ich keine Daten dazu.

Hier sind die Tatsachen, die wir im Juli 2023 sammeln konnten:

  1. Alle unsere Taxifahrten fanden in E-Autos statt. Oftmals saßen wir im BYD, einem sehr starken und modernen Wagen. Der Antritt dieser Wagen ist typisch Mittelklasse E-Auto. Eben saugeil. Es scheint, als gäbe es zumindest in Xiamen keine nicht-elektrischen Taxis.
  2. Für die längere Fahrt hatten wir einen Toyota Alphard. Den Komfort des Alphard kann man schlecht übertreffen. Allerdings ist der Alphard nicht elektrisch. Das macht für ein Reisemobil wegen mangelhafter Reichweite sicher wenig Sinn. Das wird sich bald ändern.
  3. Wir haben in Xiamen kein einziges Moped sowie keinen Motorroller mit Verbrenner gefunden. Die kleinen elektrischen Teile schnurren fast lautlos vorbei. Kein Geräusch, kein Abgas. Wir fanden das absolut stark. Soweit sind wir in Singapur noch nicht, obwohl auf unserer kleinen Insel das leichter durchzusetzen sein sollte. Es scheint, als ob ein Gesetz die Verbrenner-Mopeds verbieten würde, zumindest in den von uns besuchten Städten. Für das Riesenland ist das ein beeindruckender Schritt.
Moderne und saubere Leihfahrräder gibt es in Städten an vielen Punkten.

Es gab eine Zeit, in der die Chinesen das Fahrrad gerne durch etwas Motorisiertes ersetzen wollten, da das Fahrrad einen Hauch von Armut ausgestrahlt hatte. Nun sind die Fahrräder zurück – teils elektrisch teils beinbetrieben – und stehen für kleines Geld zum Ausleihen zur Verfügung.

Amy beim Einkaufen in Xiamen

Das Mobiltelefon ist wichtigstes Werkzeug

Regelmäßig ist uns aufgefallen, dass wir ohne Mobiltelefon und die entsprechende App praktisch nicht handlungsfähig sind. Beim Einkaufen wurden wir groß angeschaut, wenn wir bar bezahlen wollten. Einige Geschäfte akzeptieren zwar Bargeld, können aber nicht wechseln. Aus früheren Zeiten hatten wir noch ausreichend chinesische Banknoten im Tresor, die wohl vor sich hin schimmeln werden.

Modernes Einkaufen: nebenbei kann man sich einen Kaffee machen.

Jeder Shop, auch der kleinste Stand an der Straße hat einen QR Code an der Kasse, mit dem sehr einfach gezahlt wird. Die chinesischen Apps wie Alipay oder WeChat bieten mehrere Möglichkeiten.

Ein Händler an der Straße verkauft lecker Teigtaschen. QR Code ersetzt Bargeld. Schnell und sauber!
Jede Dienstleistung wird über QR Code gezahlt, sichtbar rechts von Amy.
Im Restaurant wird mit QR Code bestellt und bezahlt. Kein Anstehen. Fertigmeldung kommt auf Handy.

Zum einen kann die App den QR Code des Händlers lesen und verarbeiten. Zum anderen kann ich auf meinem Mobiltelefon einen QR Code erstellen, der vom Händler gelesen werden kann, womit dann der Bezahlvorgang eingeleitet wird.

Unser Kaffee konnte nur mit Mobiltelefon bezahlt werden. Der Junge hatte kein Wechselgeld.

Unser Taxi musste auf WeChat am Mobiltelefon bestellt werden. Das ist sehr leicht, beinhaltet einen vereinbarten Preis und erledigt die Bezahlung nach der Ankunft. Kein Bezahlvorgang ist nötig, sowieso kein Bargeld. Die Möglichkeiten der Anwendung des Handys sind praktisch unbegrenzt.

Steckdose mit Ladeeinrichtung und USB-Buchsen im Hotelzimmer. Sehr angenehm.

Und wenn dem Handy der Saft ausgeht? Kein Problem. Vor fast jedem Laden, im Restaurant und sowieso im Hotel gibt es Ladeeinrichtungen. Wirklich kein Problem.

Wo kann ich in Saalfeld mein Handy laden?

Kleine Helfer überall

In mehreren Hotels sind uns Roboter begegnet. Nun ist das nichts besonderes. In Singapur begegnen wir diesen fast täglich im Park, wo sie den Rasen mähen. Dazu fahren sie den Rasen in unsichtbaren Spuren ab und tanken zwischendurch an den im Park vorhandenen Dockingstationen die Energie nach. Da gibt es in der Regel keine Aufsichtspersonen. Wahrscheinlich arbeiten die menschlichen Rasenmäher von zu Hause.

Ein Roboter benutzt den Lift im Hotel.

Als wir im Hotel den Lift nehmen wollten, war da ein Roboter drin. Der hatte offensichtlich seinen Job erledigt und war auf dem Weg, einen neuen Befehl entgegenzunehmen.

Ein Roboter kommt aus dem Lift, um eine Bestellung abzuliefern.

Ein anderes mal kam sein Roboter-Kollege aus dem Lift. Zielstrebig steuerte er das Zimmer an, von wo Essen, Bügeleisen oder die Flasche Wein bestellt worden war.

Wir teilen uns den Lift mit einem Roboter

Ziemlich oft mussten wir uns einen Lift mit einem Roboter teilen. Kleiner Vorteil gegenüber den menschlichen Hotelangestellten: Roboter reden nicht, riechen nicht nach zu viel orientalischem Parfüm oder Knoblauch und sind auch sonst sehr vorsichtig.

Kleiner Nachteil: diese Hotelangestellten haben keine hübschen Beine, kein nettes Lächeln und sind eher unvorteilhaft geformt.

Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie der Roboter sich einen Lift “ruft”, die richtige Etage auswählt und dann auch den Aufzug genau da verlässt. Programmtechnisch ist das eine Kleinigkeit, aber die Umsetzung sieht schon geil aus. Der Nachteil der hässlichen Körper wird dadurch fast wettgemacht.

Die Roboter sprechen auch, in Xiamen eben Chinesisch. Beim Navigieren um uns herum meinte der Roboter etwas, dass sicher übersetzt heißen würde “Mach Dich nicht so fett. Ich muss da durch.” Das ist nur meine Vermutung.

China lädt ein

Es gibt heutzutage Vieles in China, das das tägliche Leben erleichtert und angenehmer macht.

Im Café an der Ecke kann man 5 RMB (=EUR 0.63) sparen, wenn man den Kaffee selber zubereitet.

In der Vergangenheit habe ich versucht, in China keine öffentlichen Toiletten zu benutzen. Heute ist das eine unnötige Sorge.

Eine öffentliche Toilette in einem Einkaufszentrum.

Die von uns besuchten öffentlichen Toiletten waren tadellos. Fast schon zum Wohlfühlen. Die Warenhäuser haben auch mehrere Sprünge nach vorne gemacht. Alles ist klinisch sauber, sehr einladend und hell.

Blitzsaubere Einkaufszentren sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

Kleine Besonderheit: Im von uns in Xiamen besuchten Zentrum kann man neben der gerippten Unterhose auch einen Wagen kaufen. Wahrscheinlich sind die Körbe dann entsprechend größer.

Nach dem Kauf von Obst und Gemüse kann man eben noch ein Auto mitnehmen.

Bisher dachte ich, dass Singapur sehr nahe am Idealzustand für besten Kundendienst, für Ordnung und Sauberkeit angesiedelt sei. Nach unserem Besuch im Land der Mitte bin ich da nicht mehr so sicher.

Natürlich haben wir nur ein paar Städte im Süden von China besucht. Sehr wahrscheinlich sieht das in Tibet noch nicht so aus. Aber China ist auf einem guten Weg.

Schlussbemerkungen

Es gibt sicher Datenschutz-Bedenken, die bei der Benutzung von WeChat und anderen Systemen eine Rolle spielen. Auf Wikipedia wird behauptet, dass WeChat fast alle Daten an die chinesische Regierung weitergibt. Erstens ist das nichts als eine kühne Behauptung. Zweitens sollten wir uns nicht der Illusion hingeben, dass beim Benutzen von westlichen Systemen keine Daten an BND, NSA oder CIA fließen.

Wer hat denn das Mobiltelefon von Angela Merkel gehackt? Das waren nicht die Chinesen.

Wenn Du all das vermeiden willst, solltest Du die folgenden Regeln befolgen:

  1. Bei der Geburt solltest Du eine Registrierung vermeiden. Du solltest Dich sofort danach aus dem Staub machen.
  2. Jegliche Registrierung für Kindergarten, Schule und Uni sind zu vermeiden. Du bleibst ein Analphabet.
  3. Deine Adressdaten sollten niemandem bekannt sein. Viel Spaß beim Wohnen in einer Höhle im Wald.
  4. Du solltest weder Telefon besitzen, noch ein solches benutzen. Die Systeme können heute alle Gespräche analysieren und identifizieren, auch wenn Du Deine Nummer unterdrückst. Rauchzeichen sind ok.
  5. Du solltest niemals online gehen, um Informationen abzurufen. Sowohl der Ort des Zugriffs, als auch die Art der Informationen werden registriert. Du kannst “Google” in den Wald brüllen und hoffen, dass Dich jemand hört.
  6. Besitztümer wie Auto und Haus sind für Dich tabu. Ein geklautes und unregistriertes Fahrrad ist ok.
  7. Ein Bahnticket solltest Du nur bar zahlen. Flugtickets sind für Dich unerreichbar.
  8. Natürlich solltest Du keine Kredit- oder Debitkarte besitzen. Bargeld ist fast ok, wenn Du das mit Handschuhen ausgibst.
  9. Unglücklicherweise kannst Du kein Geld verdienen. OK. Du kannst dem Bauern vor Deiner Höhle bei der Ernte helfen, wenn er Dich steuerfrei und in bar bezahlt.

Viel Spaß beim Leben als Datenmuffel.

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Bei Interesse, schick einfach eine Mail an uk@uk-online.de. Danke. UK

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