Und ich dachte tatsächlich, ich kenne mich mit asiatischen Speisen aus. Falsch gedacht. Sichuan Cuisine offenbart wieder einmal etwas Neues.

Ein Geschäftsfreund hatte uns für diese Woche zum Abendessen eingeladen. Und da wir bei ihm noch etwas gut hatten, ließ er sich auch nicht lumpen. Er hatte mich gefragt, ob wir Sichuan mögen. Sichuan Cuisine ist auf der Skala der scharfen Speisen ziemlich weit oben angesiedelt. In den chinesischen Restaurants in Deutschland gibt es das eher nicht. Falls doch, ist es abgemildert.

Sichuan ist eine Provinz in Zentralchina, in der der Panda beheimatet ist. Der Name steht für „Vier Flüsse“ und meint die vier Hauptwasserwege in der Provinz. Von Sichuan geht es direkt ins Himalaya-Gebirge.

Auf unserem Tibet-Trip in 2009 hatten wir Sichuan passiert, bevor wir im Zug auf 5000m Höhe nach Luft schnappen durften. Auf unserem gesamten Tibet-Trip hatte uns die Speise verfolgt. Allerdings sind auf großer Höhe (Lhasa liegt auf 3.600m) die Geschmacksnerven weniger empfindlich – wie im Flieger auch. Wahrscheinlich ist das der Grund für die starke Würze. Die Tibeter hätten sonst keinen Geschmack im Essen.

Zu Beginn gab es einen Pfannkuchen mit Hühnchen-Seide (feines Fleisch)

„Für Frau Tan bitte etwas milder. Ok für mich,“ hatte ich ihm geantwortet. Singapur liegt nicht auf 3.600m. Unser Restaurant liegt an der Ostküste und damit auf 11m über dem Meeresspiegel.

In diesen Restaurants arbeiten normalweise Chinesen aus dem Mutterland, die nicht gerne mit einer Langnase reden wollen … oder können. Also wurde die Bestellung in chinesisch erarbeitet. Das ist eine eigene Prozedur, wofür mein Chinesisch bei weitem nicht reicht.

So sieht ein typischer Sichuan-Tisch aus. Rot heißt nicht Blut, sondern Chilli.

Ein deutscher Kellner nimmt sich kaum mehrere Minuten Zeit für die Bestellung. In einem Restaurant in Singapur oder China ist das allerdings guter Standard. Unser Freund kennt das Restaurant und die Speisen, so dass wir alles ihm überlassen hatten.

Als Vorspeise gab es einige Kleinigkeiten wie zum Beispiel Minipfannkuchen aus feinstem Hühnchen. Danach hatten wir die üblichen Sichuan-Speisen mit stark gewürztem Tofu, hausgemachten Nudeln, die in Chili gebadet wurden und so weiter. Alles vom Besten.

Fisch in Chillischoten

Zwar sagt jeder, dass mit Chili besser etwas warmes getrunken oder gegessen werden sollte. Trotzdem halte ich mich normalerweise mit Eiswasser oder Tsingtao-Bier am Leben. Da ich derart Speisen seit mehr als zwanzig Jahren esse, bin ich auch weniger empfindlich. Aber es ist immer noch scharf … zwei Mal!

Bei derart Abendessen ist das Essen natürlich wichtig. Und die hübsche Kellnerin erklärte zu jedem Gang die Speisen und auch etwas zur Zubereitung.

Hausgemachte Nudeln

Im Mittelpunkt stand allerdings das Projekt, das wir gerade gemeinsam abgeschlossen hatten. So dauerte unser Abendessen von 19:00h bis 22:00h, dem offiziellen Feierabend im Restaurant.

Kurz vor zehn brachte die Kellnerin noch einmal die Karte zur Auswahl der Nachspeisen. Meine Wahl fällt normalerweise nicht auf die oft angebotene Eiscreme, sondern auf Nachspeisen mit Mandelgeschmack. Das klingt wie Dr Oetker, ist es aber nicht. Die chinesischen Mandelspeisen sind traumhaft.

Nachdem ich meine Vorliebe verkündet hatte, wurde durch unseren Freund etwas bestellt. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zu kommen würde. Nach kurzer Zeit standen unsere Nachspeisen auf dem Tisch. Meine Schüssel duftete angenehm nach Mandel.

Toll.

Nachdem ich den letzten Tropfen der wohlschmeckenden Speise vertilgt hatte, fragte mich mein Freund, ob ich denn wüsste, was ich gerade gegessen hätte. Da alles in Chinesisch abgewickelt wurde, hatte ich keine Ahnung.

Meine Mandelspeise

„Double-boiled Hasma with Almond Cream“ war seine Antwort. Mit der Mandel konnte ich etwas anfangen, nach dem Hasma musste ich fragen.

„Das ist Eileiter vom Asiatischen Grasfrosch“ meinte er und beobachtete meine Reaktion. Da ich die Speise richtig gut fand und ich sowieso nichts ändern konnte, war meine Reaktion unauffällig.

Wieder etwas gelernt. Das nächste Mal schone ich die Fröschinnen. Haifischflossen, Tigerpenis, Affenhirn und andere Spezialitäten vermeide ich schon. Jetzt ist meine Liste wieder etwas länger.

Bis bald,

Uwe

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