Nachdem wir einen Job in einem Betrieb eines französischen Unternehmens in HuiZhou erledigt haben, sitzen wir auf dem Flughafen in Shenzhen. Das Unternehmen ist ein weltweiter Lieferant von Niederspannungsprodukten für Industrie und zu Hause. Mit etwa 140 tausend Mitarbeitern überall auf der Welt ist der Laden nicht ganz klein.

In HuiZhou wurden 37 junge Führungskräfte aus Asien und Pazifik zu einem Führungskräfte-Entwicklungprogramm zusammengeholt. Die Teilnehmer kamen aus China, Malaysia, Vietnam, Indien, Indonesien, Australien, Neuseeland und Dubai. Amy und ich durften einige Teile dieses Trainings durchführen. Für viele Teilnehmer war es das erste Mal in China. Einige von ihnen waren ganz flexibel. Andere eher nicht.Gott-sei-Dank gibt es in dem betreffenden Industriegebiet in HuiZhou seit letztem Jahr einen Mc Donald. Während wir den nur von außen kennen, sind einige unserer Teilnehmer darin offensichtlich Stammgäste. Das Frühstück nehmen sie im Mc Donald ein – wobei ich nicht genau weiß, was man da morgens ißt. Zum Mittagessen kann man sie dort sehen und auch das Abendessen besteht wohl oft aus ledrigen Burgern.

Uns hat es jeden Tag in ein anderes Chinesisches Restaurant verschlagen. So gab es für uns richtig gute Nudeln oder gebratenen Reis, dazu allerlei Gemüse wie in Knoblauch eingelegte Gurken, die in eine Sojasosse mit Wasabi gedipt werden, sehr leichte, gedünstete Bohnen, tausendjährige Eier, stinkenden Tofu und vieles andere mehr. Die Eier sehen aus, als ob sie mehr als tausend Jahre in einer Lake verbracht hätten, sind sehr dunkel und etwas durchsichtig. Der stinkende Tofu teilt die Welt – wie etwa guter Schweizer Käse – in Liebhaber und Hasser. Während ich Liebhaber bin, gehört Amy zu der anderen Kategorie.

Im winzig-kleinen internationalen Terminal des Flughafens von Shenzhen gibt es genau zwei Cafés, die im harten Wettbewerb miteinander stehen. Bevor wir uns für eines der gähnend leeren Restaurants entscheiden, mustern wir die Speisekarten und die Einrichtung, weil wir damit rechnen, etwa eine Stunde bis 09:30 Uhr dort zu verbringen. Wir machen uns die Entscheidung nicht leicht. Während Amy zum Café auf der Linken tendiert, plädiere ich für das auf der rechten Seite. Natürlich sitzen wir letztendlich links.

Dort bestellen wir Tee und Walnussplätzchen. Wir wundern uns noch, als der Kellner den Minztee von aussen geliefert bringt. Danach beobachten wir ihn. Wir wollen ja nicht, dass unsere Plätzchen aus irgendwelchen dunklen Quellen hervorgebracht werden. Entwarnung. Der Kellner bringt die Plätzchen aus dem anderen Restaurant. Dann wollen wir es wissen: wir vergleichen die Speisekarten. Das alles ist kein Problem, da wir die einzigen Gäste sind – in beiden Restaurants. Die Speisekarten sehen total unterschiedlich aus, haben aber das gleiche Angebot – zum gleichen Preis. Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, dass wir uns für das richtige Café entschieden haben. Gut gemacht!

Bemerkenswert am Abflug von einem Chinesischen Flughafen sind wie immer die Überpruefungen. Die erste findet statt, indem beim Eintreten in den Check-In-Bereich zwei junge Damen von ihrem Platz hinter einem Schalter – nennen wir sie einfach Flugvorbereitungsprüfungspersonal – mit einem Lächeln alle durchgehenden Passagiere mustern. Mir ist nicht ganz klar, was da eigentlich geprüft wird. Aber es scheint wichtig zu sein. Vielleicht ist das ja auch nur ein Überbleibsel aus der guten alten Zeit, als Reisende noch richtige Tickets in den Händen halten konnten. Damals war die Funktion der beiden Damen, nur Reisenden mit Ticket den Zugang zum Check-In zu erlauben. Offensichtlich hat den beiden bisher keiner zu sagen getraut, dass der Job überflüssig ist. Irgendwie haben sie jedoch im Laufe der Zeit herausgefunden, dass es keine Tickets mehr gibt.

In Jakarta vor ein paar Monaten hatte ich eine Begegnung mit einem Flughafenzugangserlaubnisticketkontrolleur, dem dieses Licht noch nicht aufgegangen war. Er wollte unbedingt ein Papier sehen. Zu meiner Rettung hatte ich meinen Flug in meinem Telefon abgespeichert. Das hat ihn überzeugt. Wenn Du also mal Zugang zum Flughafen in Jakarta brauchst, speichere einfach einen Flug in Deinem Mobiltelefon ab. Das tut’s. Allerdings glaube ich nicht, dass das auch ausreichend ist für einen Flug.

Dann gehts zum Check-In. Bevor Du den Check-In-Schalter erreichst, wird schon in der Schlange Dein Pass geprüft – von dem Check-In-Sicherheitbeamten. Warum? Das ist schwer zu sagen, da im Zeitalter des elektronischen Tickets kein solches mehr vorliegt und damit auch nicht mit dem Pass verglichen werden kann. Wahrscheinlich wird da geprüft, ob das Bild im Pass mit Deinem Gesicht übereinstimmt, um zu vermeiden, dass Du mit Omas Pass oder dem Pass Deiner Grossnichte versuchst, China zu verlassen – nachdem Du ja schon mit Deinem eigenen Pass eingereist warst. Ja, das macht Sinn.

Nach dem Check-In gehts durch die richtige Passkontrolle, die heutzutage in China recht schnell und unkompliziert vonstatten geht. Die Schlange wird durch Seile im Zick-Zack im Zaum gehalten, so dass es keine Vordraengler gibt. Am Ende der Schlange steht ein Beamter – der Passkontrollschalter-Verfügbarkeitshinweisbeamte – der jedem Reisenden den nächsten freien Schalter zuweist. Als Schalter 5 frei wird, sagt er mir “Geh zu Schalter 5”, “Danke” und ich gehe zu Schalter 5. Ganz einfach eigentlich.Wenn Du nicht total auf den Kopf gefallen bist, kannst Du das auch allein sehen. Es ist aber eine nette Geste.

Passkontrolle ist wie gesagt sehr unkompliziert. Nach der Passkontrolle gibt es die Schlange für das Prüfen des Gepäcks. Bevor man den Scanner erreicht, steht da wieder ein Schalter mit einer jungen Dame – der Gepäckkontrollvorbereitungs-Passkontrolleurin, die Pass mit Bordkarte vergleicht und abstempelt. Genau das hat der Passkontrollbeamte doch gerade erst gemacht, denke ich. Was soll in den letzten drei Minuten mit meinem Pass oder meiner Bordkarte passiert sein? Da gibt es wirklich nicht viele Möglichkeiten. Man könnte vielleicht den Pass mit einem Mitreisenden tauschen, der ein besseres Bild drin hat. Oder man könnte vielleicht aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen Pass oder Bordkarte weggeworfen haben. Ich könnte auch die Bordkarte gegessen haben. Ich spiele noch mit dem Gedanken, meine Bordkarte mit einem Kaugummi unter der Schalterauflage zu verkleben. Sonst bleiben da nicht viele Möglichkeiten. Ich kann mich nicht entscheiden. Die junge Dame nimmt also Bordkarte und Pass, vergleicht und stempelt – und schaut dabei sehr beschäftigt und wichtig drein. Vielleicht ist ihr Job die Überpruefung der Arbeit des Passkontrolleur. Ihre Arbeitsplatzbeschreibung könnte daher auch Passkontrollzursicherheitnachkontrolleurin lauten.

Die Gepäckkontrolle ist sozusagen ein Klacks. Meine Milch muss ich sofort austrinken, damit ich damit nicht den Piloten bedrohen kann. Und mein Computerladegerät wird doppelt gescannt, da es offensichtlich sehr geladen aussieht. Amy muss die Schuhe ausziehen und separat durch die Maschine schicken. Das verstehe ich. Ich finde auch ihre Beine toll.

Wir sind wie immer früh dran, so dass wir in der Wartehalle Platz nehmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, die wir mit dem Beantworten von Emails und dem Studieren anderer Reisender verbringen, öffnet sich die Tür und wir können zum Flieger gehen. Halt! Stop! Davor hat Gott noch zwei Kontrollen gesetzt. Zuerst werden den Wartenden in der Schlange Pass und Bordkarte aus der Hand genommen und miteinander verglichen. Wenn ich nicht so senil wäre, würde ich wissen, dass wir das doch erst vor eben der gefühlten Ewigkeit hatten. Ich hatte nicht meinen Pass mit meinem Nachbarn getauscht, ich hatte nicht meine Bordkarte aufgegessen und mein Gesicht passt immer noch zum Bild im Pass, da ich keine Zeit für einen Friseur gehabt habe. Großartig. Jetzt werden wir zum Flugzeug durch gelassen, nachdem wirklich und tatsächlich noch einmal mein Pass und meine Bordkarte von einem weiteren Flughafenangestellten in die Hand genommen worden sind und meine Bordkarte abgerissen worden ist. Klasse.

Am Flieger gibt es nur eine “kleine Kontrolle” der Bordkarte beim Einsteigen. Mit einem Gefühl totaler Sicherheit kann es auch schon los gehen.

Man könnte meinen, die Hälfte der Bevölkerung von Shenzhen ist auf dem Flughafen mit irgendwelchen Kontrollen beschäftigt. Nein, dem ist nicht so.

Es werden noch Leute für die Mautstationen an den Autobahnen gebraucht. Eigentlich sind fast alle Stationen vollautomatisch wie in Deutschland auch. Allerdings fehlt in Deutschland die persönliche Note. In China gibt es genau diese noch:

Beim Heranfahren an die Mautstation wird entweder vollautomatisch der Wagen erkannt und von einem kleinen Gerät in der Windschutzscheibe ein Betrag abgebucht. Das alles passiert bei fast voller Geschwindigkeit, wobei man das Lächeln und die winkende Hand der Dame im Mauthäuschen für etwa 0,8 Sekunden genießen kann. Dann ist die Sache auch schon erledigt.

Viel persönlicher wird es, wenn die touch-and-go Variante zum Einsatz kommt. Dabei wird der Wagen kurz auf Schrittgeschwindigkeit abgebremst, das Fenster geöffnet und eine Magnetkarte beruehrungslos an einem Kartenleser vorbeigeführt. Das passiert während langsamer Fahrt, wobei Lächeln und Winken der Mautfrau für etwa 2,6 Sekunden sichtbar sind.

In beiden Varianten ist die Mautfrau praktisch ohne Funktion, abgesehen von Lächeln und Winken.

Noch etwas: es ist nicht eine Mautfrau, es ist eine für jede Mautspur. Aus einer dreispurigen Autobahn werden etwa neun Mautspuren, so dass je Fahrtrichtung neun Mautfrauen zum Einsatz kommen. Wenn man bedenkt, das China seeeeeeehr, sehr viele dieser Mautstellen und natürlich auch viele Flughäfen hat, wird klar, wo 1,5 Milliarden Menschen tagtäglich ihre Zeit verbringen.

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