Eine Ode an die Familie

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir uns im August 2021 wieder einmal auf den Weg nach Deutschland gemacht. Diese Reise war etwas geprägt von der gegenwärtigen pandemischen Lage. So war die Reisevorbereitung etwas mühsamer als zuvor.

Und warum die etwas aufwändige Reise? Ganz einfach: vor mehr als einem Jahr hatte ich ein paar ungenutzte Stunden in das Studium der Auswirkungen unseres Lockdowns investiert und zum Beispiel herausgefunden, dass normalerweise täglich etwa 102 Tausend Flieger irgendwo auf der Welt abheben. Unter anderem tragen diese Flieger zum Aufbau unseres CO2-Schutzschildes bei, das uns vor schädlichen Sonnenstrahlen bewahrt. Außerdem dienen diese Flieger den Zugvögeln seit Jahrhunderten zur Navigation.

Während unseres Lockdowns sind in Singapur nur 10% der Flieger gestartet … und sicher auch irgendwo gelandet. In anderen Teilen der Welt war und ist das ähnlich. Sonnenstrahlen kommen ungehindert zu uns durch. Die Eltern in Peking müssen ihren Kindern erklären, wieso der Himmel plötzlich blau ist. Und Zugvögel sind auch aufgeschmissen.

Daher also unsere wohlbedachte Reise nach Europa.

Vor der Reise

Schon Monate vor der Reise hatten wir uns mit den Bedingungen beschäftigt. Bis Mitte des Jahres 2021 war jegliche Einreise nach Singapur fast unmöglich. Zwar hätte ich als Einwohner von Singapur mit der Unterschrift der Eltern und weiteren Genehmigungen aus- und wieder einreisen dürfen. Allerdings wäre das alles etwas unsicher und sehr umständlich gewesen.

Die gesamte Situation war und ist recht neu. Kaum einer kann sich an die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 erinnern. Wie wurden damals Flugreisen organisiert? Gab es damals auch einen digitalen Impfpass?

Das Einkaufen im Flughafen Singapur ist im Moment noch angenehmer.

Pandemie-sei-Dank kann im Jahr 2021 das Flugticket bei Singapore Airlines bis knapp vor dem Abflug noch umgebucht werden. Das hilft ungemein.

Es existieren keine verlässlichen Standards für den Umgang mit Corona. Daher sind die täglichen Nachrichten immer noch ausgesprochen wichtig. Unsere ministerielle Task-Force in Singapur war und ist fast jeden Abend life und verkündet den aktuellen Stand, die Regeln und den Ausblick.

Als dann die Task-Force im Juli 2021 über eine Vaccinated Travel Lane (VTL) zwischen Singapur und Deutschland berichtet hatte, wuchs unsere Zuversicht. Nur zur Erklärung: VTL übersetzt heißt soviel wie geimpfte Fahrspur. Das ist irreführend, da nicht die Fahrspur geimpft ist, sondern diese Spur nur von geimpften Zeitgenossen genutzt werden darf. Da wir natürlich alle in diese Gruppe gehören, hatten wir uns mitte August auf den Weg gemacht.

Die gesamte Prozedur war etwas kompliziert.

Auf dem Weg

Natürlich war es unumgänglich, die Impfungen vor einer bestimmten Zeit bekommen zu haben. Wir waren im Mai durch, also gut gerüstet.

Zweitens musste ein negatives Testergebnis beim Einchecken hochgeladen werden, wobei der Abstrich nicht älter als 48 Stunden sein durfte. Das hatte funktioniert, nachdem wir einen Kundentermin verlegt hatten. Auch erledigt.

Am Flughafen hatten wir jede Menge Zeit mitgebracht, um auch die unsinnigste Forderung noch erfüllen zu können.

Und entgegen unserer Gewohnheit hatten wir alle Papiere wie Impfnachweis, Testnachweis, Tickets, Buchungen ausgedruckt. Mehrfach.

Amy meinte, wir sollten eine komplette Sammlung von Dokumenten für die Singapurer und eine für die Deutschen dabei haben. Das war auch eine gute Idee.

Die Bänke im Terminal des Flughafen Singapur sind wieder verpackt. Mal schauen, ob die in Zukunft noch einmal verwendet werden.

So haben wir nebenbei einen Teil des Regenwaldes von Sumatra als Papier nach Köln geschleppt.

Angekommen

Die gute Nachricht ist: Reisen ist im Moment nicht stressig, da nur wenige Maschinen fliegen, die auch nur teilbeladen sind. Überall bekommst Du Spezialbehandlung. Unsere B777 war mit 58 Personen besetzt. Das bezahlt wahrscheinlich noch nicht einmal den Sprit. Hoffentlich haben die trotzdem immer genug dabei. Und hoffentlich erfährt der Pilot erst nach der Landung, dass er nicht mehr gebraucht wird.

Pandemie-sei-Dank konnte der Berliner Flughafen inzwischen eröffnet werden. Nur unter Corona-Bedingungen war das möglich … mit einer handvoll Fliegern am Tag und wenigen Passagieren zur Abfertigung, den Meerschweinchen sozusagen.

Die Ankunft in Frankfurt war auch sehr unkompliziert, schnell und ohne Drängelei über die Bühne gegangen. Passagiere und Beamte hatten sich bereits daran gewöhnt, alle Papiere hervorzuholen – wenn dann doch mal wieder ein Flieger gelandet war. Kein Problem.

Auch die Bahnsteige in Frankfurt und in Köln waren sehr übersichtlich. Nur wenige Passagiere störten das Bild.

Bahnhof Frankfurt/Main mit übersichtlichem Passagieraufkommen

Gott-sei-Dank hatte das verringerte Passagieraufkommen nicht zur erhöhten Pünktlichkeit beigetragen. Die Hälfte der beobachteten Züge waren schon bei der Ankunft verspätet, einige davon mehr als eine Stunde.

Unser Zug wäre Gefahr gelaufen, pünktlich in Köln einzutreffen, wenn da nicht kurz vor der Ankunft ein heller Kollege in letzter Sekunde ein Rotsignal gesetzt hätte. Daher sind auch wir etwas verspätet angekommen. Nichts ist unmöglich.

So wurde uns eine ungewohnte Situation erspart.

Zu Hause in Deutschland

Da wir unsere Familien in Deutschland seit fast zwei Jahren nicht besucht hatten, nahmen wir uns mehr Zeit. Etwas weniger als einen Monat verbrachten wir mit unseren Lieben in Deutschland.

Zuerst statteten wir unseren Kindern und Enkeln in Leverkusen den überfälligen Besuch ab.

Es ist schön zu sehen, wie gut die Kinder ihr Leben eingerichtet haben. Dabei sind Nicole mit Cengiz und Chris mit Lina für mich Mustereltern. Nicoles rigoroser aber sehr liebevoller Durchgriff und Christophers sanfte und geduldige Art zeigen wunderbare Früchte. Glückwunsch an alle vier Eltern.

Und es ist beruhigend zu erleben, wie wenig das tägliche Leben von Corona beeinflusst ist.

Die Elektromobilität hält auch in unserer Familie Einzug. Sowohl Chris als auch Nicole haben einen e-Kleinwagen in der Familie, der auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, zu Kindergarten und Schule sowie für alle anderen Kurzstrecken genutzt wird.

Das Beste daran: die Wagen werden solar geladen – wenn das Wetter das erlaubt. Klasse!!!

Natürlich ist es auch in Deutschland Pflicht, die Maske zu tragen, sobald Einkaufszentrum, Gaststätte oder andere öffentliche Einrichtungen besucht werden.

Man kann das als Einschränkung der persönlichen Freiheit sehen. Oder man nimmt das als sinnvolle Ergänzung der persönlichen Hygiene – ganz dem Intellekt überlassen.

Nicole und Familie (Cengiz, Elias, Nicole, Rico, Luna, Kleine Nase, Große Nase)

Ich entsinne mich, die Maske schon vor vielen Jahren mit etwas Verwunderung in Japan und Taiwan bei Personen auf der Straße gesehen zu haben. Jetzt weiß ich, dass die erkältet waren und ihre Mitmenschen schützen wollten. Eine großartige Denkweise!

Pandemie-sei-Dank konnten wir unseren Job leicht von Deutschland aus erledigen. Unsere Kunden waren und sind es gewöhnt, mit uns über elektronische Medien zu kommunizieren.

Und in unserer Hütte in Deutschland sind wir dafür ausgestattet.

So konnten wir während der Zeit in Deutschland einige Workshops und Meetings für unsere Kunden in Singapur leiten. Einige unserer Dienstleistungen laufen sowieso über die eigene Wolke. Also kein Problem.

Zum Beispiel war und ist einer unserer Kunden eine Schule in Singapur, für die wir Führungskräfteentwicklung einführen. Nach unserer Ankunft in Deutschland lag eine online Befragung (360-Grad-Feedback) an. Die konnten wir leicht von Benthal aus auf unserer Wolke ablegen und auch starten. Während 295 Einladungen an Schulleitung und Lehrer in Singapur rausgingen, waren wir auf unserem morgendlichen Weg zum Penny, um mit einem frischen, warmen Zwiebelbaguette die drei Kilometer zurück nach Hause zu wandern, immer auf der Balkantrasse.

Christopher mit Lina, Nicole mit Cengiz sowie Kleine Nase und Große Nase

Nach einem ausgiebigen Besuch bei Kindern und Enkeln machten wir uns auf, die ältere Generation in Thüringen zu treffen. Die Bahn kommt dafür nicht infrage.

Einen Wagen zu mieten ist normalerweise keine große Sache. Allerdings hatten wir nicht mit Lokführer Weselskys Unvernunft gerechnet. Der hatte wieder einmal festgestellt, dass er unterbezahlt war und gleichzeitig die Covid-Ausnahmesituation als nicht zutreffend für Lokführer bei der Deutschen Bahn erklärt. Daher hatte er verbesserte Bedingungen für Lokführer gefordert, als zur gleichen Zeit der Rest der Welt zufrieden mit einem Job gewesen war.

Als Ergebnis stand bei Sixt der bestellte Wagen nicht zur Verfügung. Das erste Angebot eines Peugeot mit Handschaltung hatte ich ausgeschlagen. Ich war nicht sicher, ob sich meine rechte Hand noch an das Schalten erinnern kann.

Dann musste der Sixt-Stellenleiter mangels anderer Alternativen einen XM anbieten – zum bereits gezahlten Preis. Er meinte noch, dass ich vorsichtig sein sollte, da das Teil jenseits von 300 PS hätte. Auf der Autobahn nach Thüringen beschloss ich bei 230 – ganz gegen meine Gewohnheit – nicht mehr zu beschleunigen. Der Wagen hätte wohl noch weiter geschoben. Super Teil.

In Thüringen

Glücklicherweise war es kein Problem, eine Bleibe in Thüringen auszumachen und zu buchen. Leider war der Saalestrand voll belegt, so dass wir mit Eyba Vorlieb nehmen durften. Tolle Umgebung.

Nach etwa zwei Jahren hatten wir wieder einmal die Gelegenheit, Temperaturen unterhalb von 20 Grad zu fühlen. Offensichtlich war unser Körper darauf nicht mehr eingestellt.

Besonders Amy hatte mit Ohrenbeschwerden zu tun, die sich bis lange nach dem Rückflug hingezogen hatten.

Mutti mit Familie

Etwas vorsichtig erklärte ich der jungen HNO-Assistentin am Telefon, dass wir nicht hier wohnten und daher auch keine Überweisung vom Hausarzt vorzeigen könnten.

„Wo sind Sie denn gerade?“

„Im Hotel in Eyba.“

„Dann setzen Sie sich mal gleich ins Auto und kommen hier vorbei,“ war die freundlich herausfordernde Antwort der Dame am Telefon.

Während das in Singapur nicht anders funktioniert, war ich in Deutschland doch etwas überrascht von derart prompter Antwort. Mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit legte ich die wenigen Kilometer nach Saalfeld zurück, so dass die Dame an der HNO-Rezeption bei unserem Eintreffen noch nicht einmal den Hörer aufgelegt hatte.

Behandlung und Bezahlung gingen absolut reibungslos und obendrein noch freundlich vonstatten, nachdem wir etwa 27 Sekunden im Wartezimmer gesessen hatten. Ehrlich gesagt hatten wir noch nicht gesessen, als der Aufruf erfolgte.

Danke an den HNO in den Thüringer Kliniken. Es geht kaum besser.

Ausflug in den Thüringer Wald

Unsere Mutti hatte einen Plan gemacht. Sie meinte, es wäre doch viel interessanter, wenn wir gemeinsam ein paar Tage im Thüringer Wald verbringen würden. Das Wetter sollte warm und trocken sein, so dass ein paar „Wandertagen“ nichts im Wege stehen sollte.

So machten wir uns auf nach Frauenwald, einem kleinen Ort in der Nähe von Suhl. In Frauenwald hatte Mutti für ein paar Tage ein Häuschen gebucht.

Von da aus besuchten wir Schönbrunn, ein winziges Örtchen, in dem ich vor fast 60 Jahren meinen allerersten Urlaub verbringen durfte.

Erinnerungen wurden wach.

Wieder einmal konnten wir feststellen, dass die Heimat sehr schön ist und es sich lohnt, einen Urlaub zu Hause im Thüringer Wald zu verbringen. Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

So zum Beispiel sind wir auf Oberweißbach gestoßen, wo Friedrich Fröbel geboren worden war.

Vor einiger Zeit hatten wir einen Job für das „Institut der Frühen Kindheitsentwicklung“ (National Institute of Early Childhood Development – NIEC), wo Kindergartenerzieher „gemacht“ werden. Dort kennt jeder Fröbel.

In NIEC konnte ich schon allein dadurch „punkten“, dass ich aus der gleichen Gegend komme.

Fröbelhaus in Oberweißbach

Wisst Ihr eigentlich, dass auf der ganzen Welt das deutsche Wort „Kindergarten“ für derartige Erziehungseinrichtungen verwendet wird? In Singapur gibt es viele „Kindergarten“. Ein Verdienst unseres Fröbel.

Vielen Dank für die tolle Idee, Mutti. Wir haben die Zeit mit Euch genossen.

Der Wiedereintritt

Während unseres Aufenthalts in Deutschland hatten wir ständig das Grippegeschehen vor Augen. Bei unserer Ankunft lag die Inzidenz bei weniger als 10. Nur deshalb war das Reiseabkommen zwischen Singapur und Deutschland möglich gewesen. Während wir nach der Ankunft in Frankfurt weder Test noch Quarantäne durchlaufen mussten, waren die Spielregeln in Singapur strikter.

Auf die Tests waren wir vorbereitet. Die Quarantäne wollten wir wenn möglich vermeiden, um die Kosten von mehreren Tausend Dollar für zwei Wochen Hotelaufenthalt zu sparen. So hatten wir unsere jüngere Tochter und Ehemann – beide sind Lehrer mit Unterricht im Klassenraum – darum gebeten, doch bitte bei den Schwiegereltern abzusteigen, so dass wir unser Haus zur Quarantänestation erklären konnten.

Zuerst musste ein PCR-Test innerhalb von 48 Stunden vor Abflug bestanden werden (den PCR bekommst Du nicht bei ALDI an der Kasse). Das war in Leverkusen relativ leicht machbar aber teuer.

Nach der Einreise hatten wir noch am Flughafen Singapur einen weiteren PCR-Test zu durchlaufen. Da das Ergebnis erst am nächsten Tag auf unserem Telefon erscheinen würde, mussten wir auf Zehenspitzen, ohne etwas anzufassen, ohne zu atmen und ohne einer anderen lebenden Person zu nahe zu kommen den Weg vom Flughafen nach Hause zurücklegen. Nicht einfach.

Schon sehr lange aber besonders nach Auftreten von Corona läuft in Singapur alles elektronisch. Auch unter unseren Quarantänebedingungen bekamen wir die vorher bestellten Lebensmittel kontaktlos geliefert. Auch das Essen steht Minuten nach der Bestellung vor der Tür. Ein Ping auf dem Telefon sagt so etwas wie „Schau mal vor die Tür und nimm deine Bestellung in Empfang, wenn du nicht willst, dass der Nachbar deine Nudeln futtert“. Oder so ähnlich.

Am nächsten Tag hatten wir unser negatives Testergebnis. Hurra!!! Danach waren wir etwas von der Kette. Wir durften Lebensmittel kaufen gehen. Am dritten Tag nach der Ankunft gab es einen weiteren Test. Am siebten dann noch einen. Erst danach galten wir nicht mehr als Risiko.

Manchmal im Leben ist es durchaus positiv, negativ zu sein.

UK

Daneben hatten wir eigentlich immer ein paar Jobs machen müssen und dürfen. Das war auch erforderlich, denn irgendwie mussten wir die Reiseaufwendungen im Wert eines Kleinwagens ohne Klimaanlage finanzieren.

Große Nase mit Winnie, Luna, Eddie, Edda und Greta

Danke

Trotz all der oben beschriebenen Umstände waren wir eigentlich immer gut drauf, denn wir hatten die langersehnte Chance, eine wirklich angenehme, harmonische und glückliche Zeit mit unseren Lieben in Deutschland zu verbringen. Danke Euch allen.

Sorry an alle Freunde, die uns eingeladen hatten. Wir wollten so wenig Risiko wie möglich für Euch und unsere Familien eingehen. Beim nächsten Mal dann. Bleibt gesund.

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Bei Interesse, schick einfach eine Mail an uk@uk-online.de. Danke. UK

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