Am 5. November 2002 traf ich in Singapur ein, um hier für zwei Jahre meine amerikanische Firma zu vertreten. Wenn ich heute, 24 Jahre später, auf diesen Tag zurückblicke, muss ich unweigerlich schmunzeln. Ich kam als stolzer Deutscher nach Asien, innerlich fest davon überzeugt: Ich bin hier, um den Unternehmen in Asien mal zu zeigen, wie der Hase läuft.
Und das Schönste daran war, dass ich tatsächlich mit offenen Armen empfangen wurde. Ich kam schließlich aus dem Land mit den besten Autos der Welt, aus der Heimat der absoluten Spitzentechnologie von Siemens, Bosch und all den anderen Dingen, die in Deutschland einmal unangefochten gut waren. „Made in Germany“ war hier nicht nur ein Label, es war ein absolutes Qualitätsversprechen.

Deutsche Technologie wurde hier sehr geschätzt
Es gab diese Momente, in denen einem als Deutschem vor Stolz ein Kloß im Hals steckte. Unvergessen bleibt für mich, wie Gerhard Schröder die erste Transrapid-Strecke in Pudong eröffnete. Ein deutscher Zug, der in Asien in die Zukunft schwebte – das war ein Schaufenster deutscher Ingenieurskunst und politischer Tatkraft, das uns alle mit großem Stolz erfüllte.

Leider wurde diese Hochtechnologie in Deutschland beerdigt. Zu teuer. Auch für die Chinesen rechnen sich 50.000km Hochgeschwindigkeitsstrecke nicht finanziell. Auch nicht die 600km/h Verbindung zwischen Shanghai und HangZhou (160km). Allerdings haben die Chinesen – und auch die Singapurer – eine andere Einstellung zu solchen Projekten: die werden für die Bürger umgesetzt und zum großen Teil vom Staat finanziert.
Nennt man das Kommunismus? Dann haben wir sehr viel davon in Singapur.
Gerhard Schröder und Angela Merkel – Deutsche Kanzler mit internationaler Anerkennung
Dann folgte die Ära Angela Merkel. Sie war eine absolute Meisterin der Verhandlung und Integration auf dem internationalen Parkett. Wenn es brenzlig wurde, saß sie mit Wladimir Putin, Donald Trump und anderen hochkomplexen Charakteren am Tisch und bewahrte in kritischen Situationen einen kühlen Kopf.

In Asien genoss Merkel grenzenlosen Respekt. Sie stand exakt für das, was man hier an Deutschland schätzte: Verlässlichkeit, Stabilität und pragmatische Problemlösung.
Ih erinnere mich an eine Bemerkung eines Botschafters bei der EU während eines netten Abendessens in Singapur: Wenn Merkel am Tisch sitzt, hören andere zu und lösen Probleme – auch Trump und Putin.
Risse im Glanz
Doch dann bekamen Glanz und Gloria erste Risse, und das in Form des Hauptstadtflughafens BER. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich in der Teeküche von meinen asiatischen Kollegen ungläubig angeschaut wurde. „This happens in Germany?“ – Passiert so etwas wirklich bei euch? Dass ein Volk von Ingenieuren es nicht schafft, einen Flughafen ans Netz zu bringen, sorgte für immense Verwirrung.

In Asien ist der Kontrast besonders auffallend. Mittlerweile bin ich hunderte Mal in Singapur gelandet. Meine Bestmarke war: 12 Minuten vom Aufsetzen bis zum Taxi – mit Immigration und Gepäckempfang. Bei unseren Ankünften in Deutschland dauert das erheblich länger. Ein besonders schlechtes Erlebnis hatten wir im BER (mehr hier).







