Wieder zurück zu Bosch Siemens in Nanjing, einer Partnerstadt von Leipzig mit etwa 8 Millionen Einwohnern. Nach zwei Tagen in Nanjing (南京), wo Amy einen Tag und ich einen Tag Workshop durchführen, geht es nach Chuzhou (滁州, einer kleinen, eher unbekannten Stadt mit mehr als 3 Millionen Einwohnern).

Stadtzentrum von Nanjing

Als ich 2003 das erste Mal dahin unterwegs war, wurde ich am Flughafen abgeholt und durch die Stadt Nanjing, über den Jangtsekiang Fluss – einen der größten der Welt mit 6500 km Länge – und dann durch viele kleine Dörfer über weniger als 100 Kilometer in mehr als zwei Stunden gefahren. Die Fahrt war eine absolute Tortur, da der Fluss wirklich gigantisch ist und daher zu der Zeit wenige Brücken existierten. Die einzige Brücke war auf jeder Fahrbahnseite einspurig und so schlecht, dass der Fahrer sehr aufmerksam fahren musste, um den Löchern in der Größe eines Kinderwagens auszuweichen.

Drei Jahre später war dann die nächste Brücke fertig gestellt worden und auch ein gutes Stück Autobahn. Somit wurde die Fahrzeit auf etwas mehr als eine Stunde reduziert.

Es geht unheimlich voran in China. Das weiß inzwischen fast jeder in Deutschland, glaube ich.

Auch Nanjing hat eine Stadtmauer, 2014

Nun wollen wir uns wieder auf den Weg nach Chuzhou machen und fragen nach einem Wagen. Unsere Gastgeberin, eine junge chinesische Direktorin in der Bosch-Siemens-Haushaltgerätefirma, entgegnet mit der Frage, wieso wir nicht den Zug nehmen würden. Das wäre schneller und bequemer.

“Wie lang ist die Fahrt?” will ich wissen.

“Neunzig Minuten”, sagt sie.

Eine halbe Stunde, nachdem ich ihr unsere Daten auf SMS gesendet habe, erscheint ein Bote der Bahn im Hotel und drückt uns die Tickets in die Hand. Perfekt.

Nach einer kurzen Fahrt mit der funkelnagelneuen und pieksauberen U-Bahn – die wurde in den letzten zehn Jahren aus dem Boden gestampft – sind wir am ebenfalls funkelnagelneuen Südbahnhof in Nanjing.

Die U-Bahn ist pieksauber (War Wilhelm Pieck eigentlich so sauber?)

Dieser Bahnhof ist riesengroß und angelegt wie ein Flughafen. Es gibt eine Ankunftsebene und eine Abfahrtsebene, Sicherheitskontrolle und vollautomatische Systeme für alles, was man braucht. Alle vertikalen Verbindungen sind mit Rolltreppen und Fahrstühlen unterstützt. (Wenn ich dummerweise mal in Erfurt umsteige, schleppe ich immer noch meine Koffer treppab und treppauf.)

Auf dem Bahnsteig zum Fernzug im Südbahnhof.

Nach meiner vorsichtigen Schätzung wurde dieser Bahnhof, der mit absoluter Sicherheit wesentlich grösser ist als Stuttgart 21, in einem Bruchteil der Diskussionszeit über eben diesen Stuttgart 21 geplant, gebaut und pünktlich eröffnet. Auch schätze ich, dass die gesamte Bauzeit von Nanjing Süd kürzer war, als die Verspätung von Willy Brandt in Berlin.

Als die Anzeige im Wartesaal auf Grün schaltet, sind die Schranken durchlässig und nach dem Durchziehen des Tickets gehen wir zum blitzblanken Bahnsteig. Der Zug soll 10:38h abfahren.

Farbe auf dem Bahnsteig … und Singapurer.

Gegen 10:35h fährt ein elegant aussehender Zug an den Bahnsteig. Das Design ähnelt dem ICE. Allerdings hat er einen Entenschnabel. Nachdem wir unsere Sitze eingenommen haben, sind wir pünktlich unterwegs.

Mich interessiert immer die Geschwindigkeit. Beeindruckend, wie sie kontinuierlich ansteigt. Als wir den Fluss überqueren, sind wir schon jenseits von 200km/h.

Um 13:41h – nach elf Minuten also – wird von über 300 km/h schon abgebremst, da der Zug bis 13:57h zum Halten kommen muss.

Kurz, nachdem die 300er Marke überschritten ist, beginnt der Zug die Bremsung und schon sind wir in ChuZhou.

Das Ganze hat nicht 90 sondern 19 Minuten gedauert.

Elegant und schnell reisen in China.

Innerhalb von ein paar Jahren wurde die Reisezeit von reichlich zwei Stunden auf 19 Minuten gedrückt. So sieht der Fortschritt in China aus.

In Deutschland wurden in der Zwischenzeit Stuttgart 21 und Willy Brandt vermasselt und die Welt lacht sich kaputt.

Schaun wir mal, was wir in Zukunft noch verpassen. Schade eigentlich.

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