Über Singapore2010

Über Singapore2010

Ja, hallo erstmal. Ich weiß gar nicht, ob Sie es wussten … vom 14. bis 26. August 2010 wurden in Singapore die ersten Olympischen Jugendspiele ausgerichtet.

Diese Spiele sind vergleichbar mit den Olympischen Spielen: es werden alle 206 Nationalen Olympischen Komitees teilnehmen, alle 26 Sportarten werden vertreten sein, allerdings werden nur Sportler im Alter zwischen 14 und 18 zugelassen. Daher ist die Anzahl der Sportler nicht etwa 11 000, sondern nur etwa 3 500. Das ist das erste Mal in der Geschichte, dass diese Spiele ausgerichtet werden. Die Idee kommt von Sergei Bubka, dem besten Stabhochspringer der Welt, einem der besten Sportler des letzten Jahrhunderts. Damit ist auch Sergei Bubka der Chairman für die Jugendspiele im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Sergei Bubka und sein IOC-Team sind ziemlich oft in Singapore, um sich über die Vorbereitung der Spiele zu informieren.

Singapore hatte den Wettlauf um die Ausrichtung der Spiele vor einem Jahr, im Februar 2008, gegen Konkurrenten wie Moskau, Turin, Athen und Bangkok gewonnen. Danach wurde in Singapore ein Unternehmen gegründet, das kurz Singaporejugendolympiadeorganisationskomitee genannt wird. Oder auch SYOGOC.

So, was hat das alles mit mir zu tun? Ganz einfach: Amy ist für die nächsten zwei Jahre Direktor für Workforce & Volunteers, Personal und Freiwillige in SYOGOC. Damit ist sie verantwortlich für alle Belange der Mitarbeiter und für die Freiwilligen, vom Einstellen bis zum Motivieren, vom Trainieren bis zum Betreuen während der Spiele. Sie hat bis September dieses Jahres die Mitarbeiterzahl von SYOGOC auf etwa 550 zu erhöhen und muss etwa 20 000 Freiwillige Helfer finden, trainieren, bei der Stange halten … Da ich mittlerweile sowohl das Organisationskomitee SYOGOC, als auch Amys Team ganz gut kenne, werde ich des Öfteren zu Meetings eingeladen. So hatte ich im November letzten Jahres ein Teambildungsprogramm für SYOGOC geleitet. Gestern durfte ich wieder an einem Nachmittag teilnehmen, um die Vision der Spiele für Singapore zu definieren.

Hier mein Eindruck:
Ein paar Sachen muss man über Singapore wissen. Eine davon ist: Singapore überlässt nichts dem Zufall. Die ersten Olympischen Spiele der Jugend und damit die ersten Spiele dieses Ausmaßes auf unserer kleinen Insel (die nur halb so groß ist, wie der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) werden mit Sicherheit ein Erfolg. Der Chef von SYOGOC sowie ein Stellvertreter sind Brigadegenerale im Ruhestand, einige Ruhestand-Oberste sind in anderen Direktor-Funktionen tätig. (Hier ist die Truppe eines Brigadegenerals etwa 11 000 Mann stark.) Alle diese Personen haben Erfahrung im Umgang mit Mega-Veranstaltungen und mit Führen von Mitarbeitern. Amy ist eine der wenigen Direktoren mit nicht-militärischem Hintergrund. Der Chef ist eine sehr berühmte Person in Singapore und in der UNO: Goh Kee Nguan hat den Einsatz der Singapore Armee nach dem Tsunami in Aceh sehr erfolgreich geleitet und Tausende gerettet und in Unterkünften untergebracht. Kee Nguan wurde von Kofi Annan in ein UNO-Komitee für Friedensmissionen eingeladen, an dem er regelmäßig teilnimmt.

Das phantastische ist, Kee Nguan und alle anderen in dem Komitee mit ähnlichen Ehren verhalten sich nicht entsprechend ihres Status’. Deutsche würden in einem schweren Wagen vorfahren, Kee Nguan fährt einen kleinen Toyota: “Wozu brauch ich ein großes Auto, um die 5km auf Arbeit zu fahren?”. Kee Nguan ist eine der höflichsten und zuvorkommendsten Personen, die ich kenne. Er lässt immer ausreden, ist immer an der Meinung anderer interessiert und hört auch 100% zu. Eine sehr bescheidene aber beeindruckende Person. Von den deutschen Obersten aus meiner aktiven Militärzeit unterscheidet er sich etwa wie Angela Merkel von Mao Tse-tung.

Die SYOGOC-Direktoren sind alle kein bisschen arrogant und überraschenderweise sehr kritisch gegen sich selbst und gegen Singapore. Gestern ging es um die Vision für die Spiele. Es wurde diskutiert, was alles erreicht werden soll. Jeder weiß, dass Singapore wahrscheinlich keine einzige Goldmedaille gewinnen wird. Das ist auch kein Problem. Es ist viel mehr das Ziel, Singapore in der Welt bekannt zu machen und der Welt zu zeigen, dass das ein sehr netter Platz ist zum Leben und zum Geld verdienen. Die Diskussion ging zum Beispiel darum, wie Singapore in der Welt gesehen wird: “Ein strenger Staat mit vielen Regeln und harten Strafen, wenn man dagegen verstößt”. (Ihr wisst sicher, dass Singapore jeden aufgehängt, der beim Drogenschmuggel erwischt wird? Kein Kaugummiverkauf erlaubt etc.). Es wurden Ideen diskutiert, wie Singapurs Bild in der Welt geändert werden kann. Zum Beispiel hat man (oder darf ich sagen: haben wir?) beschlossen, nicht die strenge Disziplin herauszustellen, sondern eher auf alle möglichen Kulturen einzugehen.

Beispiel:
Mit Deutschen haben Singaporeaner eher kein Problem, weil wir ziemlich ähnlich funktionieren. Aber viele südliche Kulturen wie Spanier oder Italiener oder einige Afrikaner haben andere Verhaltensregeln. Gestern wurde daher beschlossen, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Beispielsweise hat bei den letzten Spielen in Athen ein Land nicht an bestimmten Schwimmwettkämpfen teilnehmen können, da die Schwimmer zu spät am Veranstaltungsort eingetroffen waren. Nun mag “das Aussperren” richtig sein und vollkommen den Regeln entsprechen, aber meine Freunde hier meinten: “Was bringt uns das, wenn wir unsere Regeln durchsetzen, aber dabei einige Sportler oder Funktionäre oder auch Journalisten frustriert nach Hause fahren?” Das Ergebnis ist, dass sich ein Team mit allen möglichen Risiken auseinandersetzen wird und Vorbeugemaßnahmen getroffen werden. Das Ergebnis wird funktionieren. Den Eindruck bekomme ich jedes Mal, wenn ich mit denen zusammensitze.

Ein anderer sehr interessanter Aspekt ist die Vision der authentischen und moralisch-ethischen Spiele. Gestern brachte Pak Seng, ein sehr junger Direktor (etwa 30, war mit einem Team in Peking während der letzten Spiele) den Schummel mit der Sängerin zur Eröffnung in Peking ins Gespräch: “Wir werden wahrscheinlich keine Medaillen gewinnen. Das ist ok. Das wird unseren Landsleuten und der Welt zeigen, dass wir auch mit Ehre verlieren können. Aber wir werden nicht schummeln. Keine falschen Sänger, keine manipulierten Videoaufnahmen. Alles wird echt, authentisch sein.”

Neben den vielen anderen, gestern diskutierten Aspekten ist mir noch einer besonders hängen geblieben: “Wir müssen vermeiden, dass Zuschauer bestimmte Sportler nicht respektieren und womöglich Buuuhhh rufen. Unsere Zuschauer sollen jeden Sportler unterstützen und auch bis zur Schlussminute im Stadion bleiben. … Wäre es nicht klasse, wenn auch unsere Zuschauer die Nationalhymnen anderer Nationen mitsingen könnten?” Wahrscheinlich werden die ersten beiden Gedanken verfolgt und umgesetzt werden. Obwohl ich die Singaporeaner kenne: Die wollen vor dem Ende gehen, um nicht im Verkehr stecken zu bleiben. Ich weiß nicht, wie meine Freunde die fremden Nationalhymnen bekannt machen wollen. Na, schaun mer mal.

Daneben wurden viele Maßnahmen beschlossen, die uns noch mehr Freiwillige bringen können, Freiwillige aus der ganzen Welt. Maureen ist zurzeit in Afrika, um dort einerseits für die Spiele zu werben und andererseits mehr über die speziellen Bedürfnisse dieser Nationen zu erfahren. Catherine ist gerade mit der gleichen Mission in LA. Amy war am Sonntag im Chinesischen Radio, um freiwillige Helfer zu gewinnen, die vor und während der Spiele Sportaktionen und andere Maßnahmen unterstützen werden wie beispielsweise: Führen von Sportlern von Unterkunft zu Wettkampf und zurück, Geleiten von Touristen und Journalisten, Trainieren von anderen Freiwilligen, Tickets etc.

Für mich ist dies eine gigantische Gelegenheit, etwas mehr über die Menschen hier zu erfahren und – natürlich die absolute Krönung – in etwas wie die Vorbereitung der Olympischen Spiele eingebunden zu sein (und vielleicht mal Sergei Bubka zu treffen).

Für Euch ist es auch eine Chance: Singapore Youth Olympics hat eine Millionen-Gute-Taten-Website. Wenn Du Dich anmeldest und einloggst und eine gute Tat einschreibst (und natürlich auch ausführst), darfst Du die “virtuelle Fackel” für eine Weile tragen. Also, dann mal ran… Es wäre klasse, wenn sich auf der Website mehr Deutsche eintragen würden. Und, es ist eh immer etwas wert, jemandem etwas Gutes zu tun. Welche gute Tat hast Du heute schon vollbracht?

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Nach 20 Jahren in Singapur ist es sehr leicht, eine immer wiederkehrende Frage zu beantworten.
“Gehst Du irgendwann zurück nach Deutschland?” werde ich oft gefragt.

Ohne lange zu überlegen antworte ich etwa “Mir gefällt es hier ziemlich gut. Typisch deutsche Unzulänglichkeiten gibt es hier kaum.”

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